vor 7 Stunden
Williams und Wallace fallen lange aus
In einem Spiel verloren die Oklahoma City Thunder mit Jalen Williams und Cason Wallace zwei Schlüsselspieler, womöglich sogar für den Rest der Saison. Es ist ein heftiger Schlag für den Ex-Champion, dessen Titelfenster damit deutlicher kleiner ist, als es im Moment scheint.

Was mag Jalen Williams wohl durch den Kopf gegangen sein, als er auf dem Hintern sitzend bemerkte, dass sein Fuß völlig unnormal abstand? Es war ein emotionaler Moment zum Mitleiden. Mitspieler Shai Gilgeous-Alexander reagierte emotional, andere quittierten es mit Fassungslosigkeit.
Am Montagabend bestätigte GM Sam Presti dann in einer eigens einberufenen Pressekonferenz die schlimmsten Befürchtungen. Williams hat sich das Sprunggelenk ausgekugelt, dazu ist das Wadenbein gebrochen - die Rückkehr in dieser Saison völlig offen. Gerade einmal drei Partien absolvierte der Mann, der das Puzzlestück sein sollte, welches die Thunder wieder zurück auf den NBA-Thron hieven sollte.
Auch viele Experten sahen das so. Denn: Die Titelverteidigung im Vorjahr scheiterte auch deswegen, weil Williams die ganze Saison mit Verletzungen (Handgelenk, Oberschenkel) zu kämpfen hatte und der Forward in den Playoffs wegen einer weiteren hartnäckigen Oberschenkelverletzung nur in der ersten Runde zum Einsatz kam. Ein gesunder J-Dub sollte nun wieder den Unterschied ausmachen.
So wird OKC wieder ohne seinen zweitbesten Spieler auskommen müssen. MVP Shai Gilgeous-Alexander wird erneut viel offensive Last schultern müssen. Williams ist eigentlich die perfekte zweite Option. Ein bulliger Forward, der sicher am Ball ist und selbst für sich kreieren kann. Dazu bewegt er sich abseits des Balles clever und besitzt einen mehr als nur respektablen Sprungwurf.
Zumindest haben die Thunder mit Durchstarter Ajay Mitchell sowie Jared McCain weitere potente Alternativen, doch solche Verluste tröpfeln den Kader herunter. Wer ersetzt dann die restlichen Minuten von Mitchell, McCain usw. Das eigentliche Problem entsteht aber in der Verteidigung und in Nachhinein könnte der Trade von Lu Dort dann doch schmerzen.
Zwar ist Williams nur 1,96 Meter groß, spielte aber wesentlich "größer". Der 25-Jährige verteidigte in den vergangenen Jahren so ziemlich jede Position, gegen die Spurs war er es in der Regular Season, der sich zum Beispiel auch um Victor Wembanyama kümmern konnte. Diese Option fällt ohne Williams und Dort weg, vielmehr läuft es darauf hinaus, dass die Bigs der Thunder um Chet Holmgren und Isaiah Hartenstein auch wirklich positionsgetreu verteidigen müssen.

Denn abseits der Big Men fällt den Thunder nun offensichtlich Länge. Cason Wallace hätte defensiv enorm helfen können, doch auch er muss an der Schulter operiert werden und dass Alex Caruso während einer langen Saison immer mal wieder kleinere Verletzungen erleidet, ist bekannt. Dass dies gleich im ersten Spiel nach dem Doppelschock passierte, war beinahe bezeichnend.
Gewissermaßen ist es der Kreislauf der NBA. Um Titel zu holen, braucht es Qualität und eine weitestgehend verletzungsfreie Saison. Zumindest in den Playoffs müssen die Schlüsselspieler fit und eingespielt sein. 2024/25 war das bei den Thunder der Fall, im Vorjahr eben nicht. Hier waren es die New York Knicks, die ohne größere Verletzungen durch die Saison kamen.
Der Grind von rund 100 Spielen pro Jahr zermürbt Teams, vor allem jene, die mehrere Jahre in Folge ganz oben mitspielen. Es ist auch ein Grund dafür, dass seit den Warriors 2017/18 keine Franchise mehr ihren Titel erfolgreich verteidigen konnte und andere Champions wie die Lakers, Milwaukee oder Denver nicht einmal mehr in die Nähe der Finals kamen.
Die Thunder erleben nun genau das, auch wenn ihr Kader tief genug sein sollte, um in der Regular Season wieder um die Topplatzierungen mitspielen zu können. Dafür ist das Fundament um SGA, Chet Holmgren, Isaiah Hartenstein sowie den vielen guten Rollenspielern einfach zu stabil. Gleichzeitig ist auch klar, dass Coach Marc Daigneault nun deutlich weniger Optionen hat, im Vergleich zum Vorjahr fehlen mit Dort, Joe, Wiggins, Williams und Wallace nun fünf potenzielle Flügelspieler. Das kann niemand ersetzen.
Zumindest ließen die Thunder die Hintertür offen, dass J-Dub und/oder Wallace spät in der Saison zurückkehren könnten. Es wäre besser als nichts, optimal aber auch nicht. Es zeigt auch, wie klein Titelfenster sein können. Eine weitere verletzungsgeplagte Saison sorgt dafür, dass die Uhr wieder ein bisschen schneller tickt. OKC war im Sommer erstmals gezwungen, schwere finanzielle Entscheidungen zu treffen, im kommenden Juli wird dies mit Mitchell und McCain (beide haben Team-Optionen) nicht anders sein.
Des Fenster der Thunder wird schmaler - und sie alle wissen das. Ob Williams in diesem Moment daran gedacht hat? Vermutlich nicht, dennoch könnte es als eine der Wendepunkte in diese Ära von Thunder-Basketball eingehen - so bitter das auch klingt.
Robert Arndt